Hei! Ma! T!
Hier windets und es sonnt sich Pflanze, Tier und Mensch während der Wind zerzaust. Frühlingserwachen in allen Ecken: Fellbüschel verliebter Katzen, Knospen, Blüten und zarte Blätter. Man möchte meinen, man müsste auch zu blühen beginnen, aber nein, warten wir, der Bauernkalender, er lässt noch eine Kälte vermuten, die gerade kaum denkbar ist.
Eigentlich schade, denn wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist so ein Blühen eine höchst erotische Sache...
Keine erotische, aber in diesem Fall eine sehr angenehme Sache sind Fensterscheiben. Nachdem ich zuvor vergeblich sich-im-Fenster-spiegelnde-Berggipfel fotografieren wollte, hatte ich die zerfurchende Mehrglasigkeit bereits verdammt, als ich bei einer kleinen Hütte, die ich vor vielen Jahren mit Großvater gebaut und mit Schindeln bedeckt hatte, etwas entdeckte, das ich sonst so nicht fotografieren hätte können. Hier störten die Luftblasen, die Wassertropfen und die Kinderfinger-Handmalfarben, aber nicht sosehr, dass es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Zum Dank entließ ich die Fotografierte daraufhin in die windige Freiheit.
Rage du vivre
Im hämmernden Pochen eines klaustrophobischen Herzens
gegen die zartbesaiteten Wände deines
alternden Seins
bleibt die Zeit eingekerkert und rast
in Sandeseile durch das Nadelöhr
Kamele weiden im Kolosseum
von Löwen und Schlachtschiffen träumend
während den touristischen Fotoapparaten gereicht wird:
Brot und Wasser
Der Wein wird aufgespart
denn es heißt
dass eines Sommers
wenn der Asphalt wieder Dosen schluckt
das Zeitalter der Poeten
unter
Mopedgedröhn, Polizeisirenen und dem Unterführungsgestöhn der
goldenen Schüsse
anbrechen soll und die erfrischende Wirkung
wie gut geschüttelter Prosecco
über den antiken Körper von Roma
sprudeln wird
Ja so heißt es
Keine Paarreime und keine exakten endecasillabi
nein ein Sprudel wird es sein
Keiner wird darauf bereitet sein
auch du nicht vor
Nur irgendein französischer Kritiker wird mit näselnder Stimme reden
von der
rage du vivre
während ein Nero seine Schriften verbrennt und schlichtweg betont
So’ proprio figo
Das und viel mehr
eingefangen
im klaustrophobischen Pochen deines furchenden Herzens
Wenn das bloß nicht zuviel wird
früher oder später
Aber froh sein kannst du
eigentlich
dass es Roma ist –
denn bei Napoli wartet Vesuv
Ach und wers gern politisch und englisch leicht blutig hat: Neugedichtet auf
http://time4dan.blogspot.com/