Mittwoch, 13. Februar 2008

Demo und Strato und Tion

In der Schule wurde uns Demokratie gelernt.
Sie war als die einzig mögliche Antwort auf die Grauen der im unisono !Heil! schreienden Massen gelobt worden. Wir wurden mit demokratischer Propaganda geimpft und zu Diskussionsfreudigkeit, Multilateralismus, Respekt und Toleranz, bürgerlicher Initiative und Wahlbereitschaft erzogen.
Vor ein paar Tagen demonstrierte München gegen die Sicherheitskonferenz.
Turm_Fahne und weil wir in der Schule aufgepasst hatten und wussten, dass es wichtig ist, dass man seine Meinung sagt, sind wir natürlich alle hingegangen.
In der Schule hatten wir auch gelernt, dass die Polizei unser Freund sei. Unsere Freunde waren auch dabei, bei dieser urdemokratischen Ausdrucksform der Redefreiheit. Das war schön von ihnen, so dachte ich, aber spätestens als ich bereits zur Mittagszeit kurz vor dem Marienplatz vom Fahrrad gezogen wurde, war ich mir nicht mehr so sicher. Als dann im Abendgrauen ein Pfosten mit Überwachungskameras der Mariensäule Konkurrenz machte, wollte manch einer lieber gegen die Überwachung statt für den Frieden demonstrieren.
Demobier
Denn das mit dem Frieden ist ja auch immer so eine Sache, wenn der iranische Redner zugleich gegen Israel wettert und die Münchener Kurden mit den Ikonen ihrer bewaffneten Befreiungshelden auflaufen. Aber wir waren zutiefst friedlich, guter Dinge und fanden an beiden Kundgebungstagen genügend zum Lachen.
Lachen-auf-der-Demo
Medienwirksam und nennenswert waren natürlich die Sargdamen, die der SZ auch ein Interview gegönnt haben. Big respect für eine Generation, die sich angegraut auf die Straße stellen und mehr Kreativität beweisen als alle jüngeren Generationen gemeinsam!
Sargdamen_Demo
So gab es zwar ein paar visuelle Höhepunkte, doch akustisch wurden wir an beiden Tagen eher enttäuscht. Antikriegshiphop oder Straßenpunk... ich weiß nicht... es wurde nicht warm für die Ohren aber dafür ganz live und ganz nah.
bushbaya_demo
Geblieben ist ausser den spärlichen Zeitungsartikeln, den immer noch nicht weggeräumten Absperrgittern in der Innenstadt und ein paar Fotos (von mir auf meinem Speicher und alle Demonstranten auf den Apparaten der Gesetzeshüter) kaum etwas.
Doch. Ein paar kopfgeschüttelte Fragen: Wieso kommt ihr in Kampfmontur, liebe Freunde? Selbst die Hausfrau neben mir wurde wütend, nur weil ihr eure Robocop-Montur noch nicht fürs nächste Fasching eingemottet hattet. Wieso seid ihr so viele? Ich weiß, ihr wollt unbedingt gewinnen, aber halb soviele und euer Sieg wäre glorreicher gewesen, eure steuerlich gestützte Kriegskasse halb so leer. Wir haben für den Frieden demonstriert und ihr habt euch für den Krieg angezogen. Lasst doch das nächste Mal eure Kampftruppen im Hinterhalt und zeigt euch doch zumindest vorne lieb und friedlich... es braucht ja nicht jeder zu wissen, dass bei euch so ein hohes Gewaltpotential herrscht...

Ein Graffiti von einem der besten Avantgarde Künstlern des Planeten: Banksy
<br />
www.banksy.co.uk
Bild: Banksy

Und zu dieser sinnlosen, hirnrissigen und infantilen Gewaltspirale noch ein zweites kopfgeschütteltes Fragezeichen an unsere Nervenzentren in den Nachrichtenorganen, die Redakteure der werten überregionalen Tageszeitungen: Ihr berichtet kaum. Wir waren viele und wir waren friedlich und wir waren euch weniger Spucke wert, als ein alter Herr, der mittelmäßige Konferenzen organisiert hat und nun aufhört. Wieso ist es nicht so, wie es uns in der Schule gelehrt wurde? Wieso reicht ein lauter Schrei aus tausenden Kehlen nicht aus? Wieso verlangt ihr das, wofür die Herren und Damen der Sicherheit in Strampelanzüge geschlüpft waren? Wieso berichtet ihr nur lang und breit wenn Pflastersteine und Blut und Dummheit siegen?
Tja. Diese letzten Zeilen mussten leider sein, nach dem Motto: Statt dumm bleiben, immer Fragen stellen. Mal sehen ob es jemals Antworten geben wird. Bis dahin gehen sicherlich noch viele Blogeinträge ins Land und ich verabschiede mich mit einer lyrischen Wende dieses recht Fragezeichen-lastigen Beitrags.

Kunstaka

Tausende
und du spürst es nicht
Tausende
und du fühlst es nicht
Tausende
und du hörst es nicht
Tausende
und es trügt die Sicht

Aussen der Ring und die grünen Massen
-Münchens schlechteste Grünanlage-
und ohne Antwort bleibt die Frage
wieso kann Macht nie ablassen
mit Gewalt Kontroll erfassen
nicht mehr loslassen
aufaufaufaufaufpassen
Massen gegen Massen
!SSTOPP!
Zeit Gedanken zu haschen:

Sophie. Ich denke an Sophie.
Was wäre wenn.
Weiße Rose. Ich vergess es nie.
Jedesmal wenn sie
marschieren in martialisch
seh ich Doppelbild auf bestialisch
und grüne Uniformen
werden schwarz tänzelnd
und blutig glänzend
Frage:
Wie wären sie wenn
ohne Maulkorb
und in voller Fleischeslust
Wäre ich denn
so mutig
wie noch nie,
Sophie?

rotgesicht

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